ASB Tagespflege Egestorf – Von A wie Angebote bis Z wie Zuwendung

„Wir betreuen unsere Gäste so, wie wir selbst gerne einmal betreut werden wollen.

Seit zehn Jahren bietet die ASB-Tagespflege in Barsinghausen-Egestorf ihren Gästen tagsüber ein Zuhause. Nadine Wegwerth leitet die Einrichtung seit 2015 und gibt einen Einblick in den Betreuungsalltag: von A wie Angebote bis Z wie Zuwendung.

Nadine Wegwerth leitet die Einrichtung seit 2015 und gibt einen Einblick in den Betreuungsalltag: von A wie Angebote bis Z wie Zuwendung.

Foto: J. Heumann-Friedrichs/ASB

Frau Wegwerth, welche Menschen kommen zu Ihnen in die Tagespflege?

Generell bieten wir pflege- und hilfebedürftigen Frauen und Männern die Möglichkeit, auch im Alter mit unserer Unterstützung ein Leben fernab von Einsamkeit und Langeweile zu führen. Zu uns kann jeder kommen, auch ohne Pflegegrad, allerdings müssen die Kosten dann selber getragen werden. Je nach Pflegegrad stellen die Krankenkassen eine bestimmte Summe für die Tagespflege zur Verfügung. Was viele nicht wissen: Diese Summe wird nicht auf das Pflegegeld angerechnet, so wie es zum Beispiel bei der Pflegesachleistung der Fall ist. Der Schwerpunkt in unserer Gästestruktur hat sich über die Jahre zunehmend auf Menschen mit Demenz verlagert. Der Anteil der Menschen, die noch körperlich fit sind, aber geistig eingeschränkt, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.


"Pfad der Sinne" auf dem Gelände der ASB-Tagespflege in Egestorf.

Foto: J. Heumann-Friedrichs/ASB

Welche Räumlichkeiten stehen den Tagespflegegästen zur Verfügung?

Alle Räume in unserer Einrichtung in Egestorf sind ebenerdig und hell und freundlich eingerichtet. Wir haben gerade renoviert, die Wände frisch gestrichen und neue Fußböden verlegen lassen. Das Herzstück unserer Tagespflege ist der große Aufenthaltsraum mit integrierter Küche, in der jeden Mittag frisch gekocht wird, gerne auch mit Beteiligung unserer Gäste. An zwei großen Tischen nehmen sie ihre Mahlzeiten ein, und hier finden auch die Beschäftigungsangebote wie Basteln oder Spielen statt. In unserem etwas kleineren „Wohnzimmer“ stehen gemütliche Sessel zum Entspannen und Zurückziehen bereit. Wir haben außerdem einen Ruheraum mit Betten für die Gäste, die sich gerne mittags hinlegen möchten. Hier finden auch die Therapien externer Anbieter wie Logo-, Ergo- oder Physiotherapie statt. Ein großes Bad ist mit Dusche und Badewanne ausgestattet, und unsere Toiletten sind selbstverständlich behindertengerecht. Besonders freuen wir uns über unseren Garten mit Kräuterspirale und kleinen Blumen- und Gemüsebeeten sowie die große überdachte Terrasse, auf der in der schönen Jahreszeit viele unserer Angebote im Schatten stattfinden können.


Großen Wert legen wir in unserer Einrichtung auf frisch zubereitete Mahlzeiten sowie auf Qualität, Ausgewogenheit und Abwechslung. Daher wird in der hauseigenen Küche unserer Tagespflege jeden Tag lecker gekocht.

Foto: J. Heumann-Friedrichs/ASB

Wie gestaltet sich in der Regel ein Tag bei Ihnen?

Die Gäste kommen zu unterschiedlichen Zeiten zwischen 7 und 10 Uhr bei uns an. Von 8:00 bis 10:00 Uhr gibt es ein rollendes Frühstück. Im Anschluss findet immer die Zeitungsrunde statt: Eine Mitarbeiterin liest aus der aktuellen Tageszeitung vor, und daraus entwickeln sich häufig angeregte Gespräche. Danach beginnen unterschiedliche Betreuungsangebote. Immer dabei ist eine Bewegungseinheit wie Sitzgymnastik oder -tanz und ein weiteres Angebot kreativer oder geselliger Art. Für unsere Gäste, die solche Programmpunkte überfordern, bieten wir auch Einzelangebote oder individuelle Therapien an. Nach dem Mittagessen gibt es eine Ruhepause und um 14:30 Uhr Kaffee und Kuchen.


Gemeinsam wird zum Beispiel gespielt, gebastelt, gesungen, Gedächtnistraining oder Sitzgymnastik gemacht.

Foto: Frank Krüger/ASB

Stichwort „individuell“ – wie gelingt Ihnen eine gezielte Ansprache Ihrer Gäste?

Das A und O ist die Biografiearbeit mit unseren Gästen und ihren Angehörigen. Wenn sich zum Beispiel einer unserer Gäste immer wieder zurückzieht, versuchen wir im Gespräch herauszufinden, was die Ursache dafür ist. Ist er vielleicht nicht mehr in der Lage, selbstständig Kontakte aufzubauen? Oder ist es ein Mensch, der schon immer gerne alleine war? Natürlich können wir mit solchen Informationen viel aufmerksamer und bewusster auf unsere Gäste eingehen. Unter Umständen holen wir auch die betreuenden Ärzte oder andere Pflegebeteiligte mit ins Boot, um die bestmögliche Versorgung und Betreuung zu erreichen


Die „Fühlwand“ im Essbereich der Einrichtung spricht die Sinne und Emotionen unserer Tagesgäste an.

Foto: Sven Grabe/ASB

Der Schwerpunkt der Tagespflege Egestorf liegt auf der Betreuung von Gästen mit Demenz. Welche speziellen Angebote haben Sie für diese Menschen?

Wir arbeiten nur noch mit Pflegefachkräften und Betreuungskräften, die sich im Bereich Demenz im ASB-eigenen Schulungsinstitut in Köln stetig weiterbilden. Uns ist es wichtig, immer mal wieder über den Tellerrand zu schauen und Neues auszuprobieren. Das gilt besonders auch für Männer mit Demenz, für die es vordergründig erst mal ­weniger Angebote gibt als für Frauen. Wir gehen sehr individuell auf unsere Gäste ein. Dazu gehören zum Beispiel Orientierungstraining, Erinnerungsarbeit oder Beschäftigung mit einer Fühlwand, an der verschiedene bekannte Materialien zum Ertasten befestigt sind. Immer mal wieder haben wir auch Tiere in der Tagespflege. Über das tägliche Kochen stimulieren wir den Geruchs- und Geschmackssinn und stärken damit das Erinnerungsvermögen.


Klaviermusik gehört natürlich auch dazu.

Foto: J. Heumann-Friedrichs/ASB

Welche Angebote sind bei Ihren Gästen besonders beliebt?

Alles, was mit Musik zu tun hat, kommt gut an. Zum Glück haben wir zwei Kunden, die Klavier spielen können, und einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine schöne Stimme. Das gemeinsame Musizieren macht immer viel Freude. Seit Jahren sehr beliebt sind auch die Sitzgymnastik und das Bingo-Spiel. An diesem nehmen immer besonders viele unserer Gäste teil, weil es auch für demenziell erkrankte Menschen die Möglichkeit bietet, mitzumachen, indem sie zum Beispiel die Zahlen auf den Bingo-Kugeln vorlesen.


Mit unserem Menüservice versorgen wir Menschen mit fertig zubereiteten Mahlzeiten.

Foto: Sven Grabe/ASB

Was ist Ihr Anspruch bei der Arbeit in der Tagespflege?

Wir möchten nicht nur den Menschen, die zu uns kommen, die bestmögliche Betreuung und Versorgung bieten, sondern auch die Angehörigen, die sonst zu Hause die Pflege übernehmen, entlasten. Sie sollen einmal durchatmen können, damit sie dann wieder mit neuer Kraft an ihre Aufgabe gehen können. Das geschieht einmal dadurch, dass wir uns an einzelnen Tagen oder auch die ganze Woche um ihre Lieben kümmern, aber auch, indem wir ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir helfen ihnen, das Komplettpaket der ambulanten Pflege abzurunden, zum Beispiel durch das zusätzliche Angebot des Menübringdienstes oder die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes für die Tage daheim. Viele Menschen wenden sich sehr spät an uns, weil sie immer denken „ach, ich schaffe das schon noch“, aber gerade die Abend- und Nachtstunden können für pflegende Angehörige sehr kräftezehrend sein. Häufig treffen wir im Erstgespräch dann schon auf komplette Verzweiflung und Erschöpfung. Hier wollen wir beiden Seiten helfen. Ganz generell ist unser Credo, dass wir die Menschen so betreuen, wie wir selbst einmal versorgt werden möchten: fachkundig, mit Respekt und liebevoller Zuwendung.


Wir befördern unsere Tagesgäste sogar von ihrem Zuhause zur Einrichtung und nachmittags wieder zurück. Und zwar von Haustür zu Haustür Bei Bedarf holen wir sie mit unseren bequemen und sicheren Tragestühlen aus der Wohnung.

Foto: Sven Grabe/ASB

Noch einmal zu den praktischen Dingen: Wie funktioniert Ihr Fahrdienst?

Wir haben zwei Fahrzeuge, die täglich im Einsatz sind, mit jeweils vier beziehungsweise acht Plätzen. In der Regel schaffen wir es immer, die Route so zu organisieren, dass wir auf die Gästewünsche eingehen können. Unser Einzugsbereich reicht von Bredenbeck bis Rodenberg und Bad Nenndorf und umfasst alle Ortsteile von Barsinghausen. Jeder Kunde wird von seiner Haustür abgeholt und dorthin wieder zurückbegleitet. Unsere Fahrer helfen auch mal in die Jacke oder beim Schuhe zubinden, vor allem, wenn die Fahrgäste alleine leben. Für viele Gäste ist die Fahrt bereits ein Lichtblick, weil man sich kennt, gemeinsam Radio hört, scherzt oder lacht. So beginnt und endet der Tag mit herzlicher Ansprache und guter Laune. Und weil wir ja deutlich mehr Frauen als Männer in der Betreuung und unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben, ist es für die Männer besonders schön, mit unseren männlichen Fahrern ein Wort zu wechseln.


Welche besonderen Highlights bieten Sie für Ihre Gäste oder auch für die Angehörigen?

Mit unseren Gästen machen wir häufig einen Spaziergang zum nahegelegenen Bauernhof. Regelmäßig besuchen uns die Vorschulkinder aus dem Kindergarten Baschelino und führen meist etwas Schönes vor. Seit Januar bieten wir monatlich einen Angehörigensamstag an, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich austauschen können und von uns auch mal einen Rat einholen können.


Foto: Frank Krüger/ASB

Das ist die Tagespflege Egestorf

Die Egestorfer ASB-Tagespflege hat 23 Plätze. Sie ist montags bis freitags von 7:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Dabei entscheiden die Gäste und deren Angehörige, wie oft sie in die Einrichtung kommen und wie lange sie bleiben ­möchten. 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Gäste: Eine Pflegedienst- und eine stellvertretende Leitung, zwei Pflegefachkräfte, vier Betreuungskräfte, eine Hauswirtschafts- und eine Reinigungskraft, vier Fahrer und ein Mitarbeiter im Freiwilligen Sozialen Jahr.

In diesem Jahr feiert die Tagespflege ihren ­zehnten Geburtstag. Ein großes Jubiläumsfest mit Musik, Vorführungen und vielen Über­raschungen für Gäste, Angehörige, Partner und Interessierte ist in Planung. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.